Eine Liebeserklärung ans Kochen

Kürzlich lag mein Fokus auf diesem Blog dermaßen auf dem Veröffentlichen meiner Literatur, dass man meinen sollte, sie sei das einzige Thema hier. Das ist natürlich nicht richtig, denn nicht umsonst sage ich, dass der Blog sporadisch auch als Ventil zum Kundtun meiner Gedanken fungiert – wie auch heute. Wenn auch keine ach so tiefgründigen Gedanken folgen, keine kluge Analyse oder weitere Dinge, bei denen ich angebe, diese zu vollziehen, obwohl es sich wohl nur um die mittelmäßige Freizeitstudie eines introvertieren Stubenhockers handelt, folgt etwas genauso Gutes: Eine kleine Liebeserklärung meinerseits – und das ist doch auch ganz cool.

Vor fast zwei Jahren nun beschloss ich, damals als Maßnahme zum Geld Sparen, das Kochen aufzunehmen und womöglich ist dies eine der besten Entscheidungen, so banal sie auch scheinen mag, welche ich bis dato getroffen habe. Als allgemein relativ beschäftigte Person, habe ich nicht viel Zeit für eine Vielzahl von Hobbys. Oder anders gesagt, sind meine Freizeitaktivitäten oftmals dermaßen zeitintensiv, als dass ich nicht viel davon übrig habe, um mich anderen Dingen anzunehmen. Lesen ist kein Hobby, welches geringen zeitlichen Aufwand erfordert, denn nur die wenigsten Bücher lesen sich binnen einer Stunde. Schreiben ist nicht weniger spärlich, denn nur die wenigsten Geschichten schreiben sich binnen eines Tages. Serien, Filme und Videospiele – schon gut, man weiß, was ich meine. Ich will mich hierbei im Übrigen keineswegs beklagen. Ich liebe jede dieser Beschäftigungen und wenn ich damit meine Zeit verbringe, dann ist das in meinen Augen wirklich gut investierte Zeit – und neben der Uni, meiner Beziehung, meinem Job und anderen Verpflichtungen, bleibt davon nicht immer so viel, wie ich gerne in diese Hobbys investieren würde. Ein Luxusproblem, dass wohl ein jeder von uns kennt; ein regelrechtes Privileg. Was ich sagen möchte, ist Folgendes: Ein jedes neues Hobby, welches ich mir aneignen möchte, ist automatisch damit verbunden, noch weniger Zeit in alles andere zu investieren. Doch im Falle vom Kochen, ist mir das mehr als nur recht, denn es gibt nur wenige Dinge, welche mir ein solches Maß an Seelenfrieden und allgemeinen Wohlsein bereiten.

Wer mich auf Twitter, Instagram oder der Straße verfolgt, wer mir nur mal ins Gesicht gesehen hat, wird Folgendes feststellen können: Wow, der hat eine ziemlich große Nase und psychische Probleme. Das ist ja leider keine Seltenheit mehr und somit sicherlich vielen von euch bekannt – das mit der Nase sicherlich auch, aber darüber will ich heute ausnahmsweise mal nicht reden -, weshalb es auch bekannt sein sollte, dass man sich damit arrangieren muss; sogenannte „Coping Mechanisms“ aufbauen. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich damit vielmals Probleme hatte. Bücher und Tee – ja, das ist ganz schön, aber wenn mein Kopf mir dreitausend Gedanken innerhalb eines Augenblicks durch den Kopf schießt und mich in die eher unschönen Momente meines Lebens zurückversetzt, fehlt mir dafür die Konzentration. Meditation? Selbes Problem. Rauchen und Alkohol? Rauchen und Alkohol. Kochen war in dieser Planlosigkeit eine regelrechte Überraschung für mich und hat sich auf diversen Ebenen zu einer Beschäftigung entwickelt, welche mich zufriedenzustellen weiß.

Wenn ich koche, bin ich irgendwie in einer anderen Welt, die meine psychischen Probleme sehr gut hinausfiltert. Das Kochen erfordert von mir eine ganz andere Form von Konzentration, welche negative Gedanken oftmals beiseite schiebt. Ein Buch muss ich nicht lesen, das ist generell optional und absorbiert somit meine Konzentration nicht. Wenn ich beim Kochen unaufmerksam bin, brennt auf einmal die gesamte Küche. Es gilt schlichtweg zu viel Multitasking nachzugehen, als dass es Zeit zur Ablenkung gibt – und vieles davon tue ich auch noch überaus gerne. Ich kann beispielsweise vorkosten, verkosten und richtig viele Sachen mit einem Messer in seine Einzelteile zersäbeln, um den einen Prozent toxischer Maskulinität, welcher in mir steckt, vollends zu befriedigen. Ich liebe es. Doch lerne ich auch neue Dinge und kann unendlich viel ausprobieren. Neue Rezepte und wenn diese fehlschlagen, ja, auch aus Fehlern lernt man. Knoblauch sollte man nicht auf höchster Hitze in Olivenöl schmeißen, wenn man Wert auf die eigenen Augenbrauen legt. Rührei wird geschmacklich nicht durch Currypulver aufgebessert. Vegetarische Nuggets werden nicht formfest, nur, weil man das pürierte Gemüse mit Paniermehl ummantelt, aber so wie das Püree, welches ich im Nachhinein daraus gemacht habe, geschmeckt hat, können diese Nuggets auch gar nicht mal so super sein. Das sind nur wenige der besonders dummen Lektionen. Klügere enthalten Weisheiten wie: „Auch ein gekochter Finger lässt sich wieder halb funktionstüchtig annähen“. Ich schweife ab. Hierin liegt jedoch das Schöne am Kochen: Es ist in Ordnung, wenn man mal ein bisschen Milch verschüttet. Ich lerne, was gut und nicht so gut schmeckt, mit- und ohne einander. Ich lerne Dinge zuzubereiten und selbst zumachen, statt sie überteuert im Supermarkt nebenan zu kaufen. Ich lerne. Ich beobachte. Ich schmecke und erfahre. Kochen bietet eine mir vorher sehr fremde Form intellektueller Stimulation, welche Bücher beispielsweise nicht bieten. Ich glaube mein Vater bezeichnet diese als „Praxiserfahrung“. Kranker Scheiß, ich sage es euch.

Doch ist kochen auf einer emotionalen Ebene nicht weniger erfüllend. Essen für andere machen, gutes Essen, und sehen, wie diese daran glücklich werden, sagen: „Das ist unfassbar lecker“ und nur noch fröhlich vor sich hin schmatzen – das ist etwas Großartiges. Vor allem für Leute wie mich, die sich oftmals schwer im Ausdruck ihrer Gefühle tun, sofern kein Stift und Papier zur Hand liegen. Kochen ist dementsprechend eine ganz neue Form meinerseits, mich den Menschen, die ich liebe, mitzuteilen und ihnen auch zu vermitteln, dass ich sie liebe. Ich hielt „Liebe geht durch den Magen“ auch immer nur für eine dämliche Floskel, doch muss ich mittlerweile sagen, dass es stimmt. Meine Mutter liebt mein Curry – egal in welcher Variante. Einer meiner besten Freunde, der mir oftmals beim Kochen assistiert, ebenso. Meine Freundin liebt meine Auswahl an Tomatensaucen, mein Rührei, meine Pommes und allgemein alles, was ich für unter 2€ zubereiten kann. Mit meinen Burgern habe ich meines Wissens nach schon jeden zumindest zum Schmunzeln gebracht. Diese Form sich emotional Ausdruck zu verschaffen ist wirklich schön und einzigartig, denn gutes Essen macht glücklich. Und wenn das Zubereiten keine Aufgabe, sondern ein Hobby, eine Freude ist, dann tue ich das umso lieber.

Und wenn in mir mal wieder Tumulte rasen und ich nicht zur Ruhe komme, dann schaue ich Kochvideos, denn diese sind mein ASMR. Teils verbringe ich eine Stunde und mehr damit, solche zu schauen, einfach, um ein kleines bisschen Entspannung zu finden. Ich kann es mir nicht erklären, aber diese Videos lösen in mir einen wirklich bemerkenswerten inneren Frieden aus. Vielleicht, weil sie an meine Neugier appellieren und ich mir denke: „Hey, das kann ich auch mal machen!“. Oder auch an meinen Wetteifer, wenn ich diese Maestros beobachte, welche auf einem ganz anderen Level kochen als ich und mir sagen kann: „So gut werde ich auch mal!“. Oder wenn ich mir schlichtweg vorstelle, ebenfalls mitessen zu dürfen und wie die Mahlzeit auf meiner Zunge zergeht. Und irgendwie ist das ein Kreislauf. Videos gucken, Rezepte nachkochen, glücklich machen, Videos gucken, Rezepte nachkochen, glücklich machen – es ist großartig und macht mich unfassbar glücklich. Dieses Hobby verbindet und erheitert. Ich liebe gutes Essen und Selbstgemachtes schmeckt immer besser. Keine Sekunde habe ich bis dato bereut, das Kochen in mein Repertoire der Freizeitbeschäftigungen aufzunehmen – denn zusätzlich ist dieses wohl eine der wenigen Kompetenzen meinerseits, welche ich ein Leben lang gebrauchen kann. Doch am aller wichtigsten: Es tut mir gut.

Ich liebe kochen.

(Nur das Aufräumen ist scheiße.)

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