2018 – Ein (überarbeiteter) Jahresrückblick

Ich weiß auch nicht, warum ich dieses Bild genommen habe.

Direkt am Neujahr habe ich einen kleinen Jahresrückblick über Twitlonger veröffentlicht – mehr für mich, als jeden anderen. 2018 war kein schönes Jahr, wirklich nicht. Das habe ich mir auch Tag, über Tag, über Tag präsent gemacht, bis ich in einem Moment kurzweiliger Glückseligkeit beschloss, das Positive Revue passieren zu lassen. Ich hätte das auch privat in Word abtippen, nie wieder darüberblicken können und fertig, das Maß an alltäglichem Optimismus wäre befriedigt. Tat ich aber nicht.
Wenn man etwas in die Öffentlichkeit trägt, weshalb ich auch auf Twitlonger, statt Word zurückgriff, geht man etwas wie eine unausgesprochene Verpflichtung gegenüber den Lesern ein, ob es jetzt zehn oder tausend sind. Eine kleine Personengruppe ist nun in deinen Bewusstseinsstrom eingeweiht und kann sagen: „Meintest du nicht, dass…“. Das ist ein zweischneidiges Schwert, denn wie so vieles, können auch Meinungen sich ändern, jetzt allerdings unter erschwerten Bedingungen. Gleichermaßen gehen diejenigen, die sich mit dem Gesagten identifizieren können, eine ebenso unausgesprochene Verpflichtung mir gegenüber ein. Anders gesagt: Wir sitzen im selben Boot.

Gestern bat mich Flo nochmal um den Jahresrückblick, woraufhin ich diesen nochmal aus den Tiefen des Internets rauskramte. Bis dahin war mir das vollkommen in Vergessenheit geraten, muss ich zugeben, was sehr schade ist, denn der Text war am Tag darauf Motivation, diesen Blog hier loszutreten. Dass Leute sich das durchgelesen hatten, mir deswegen schrieben, dass Interesse an Texten von mir bestand. Wäre schade, das jetzt unter den Teppich zu kehren. In diesem Sinne, noch einmal der Jahresrückblick, in überarbeiteter Version und hier und da ein paar wenigen Bildern, neuen Passagen, etc.
Für Flo, der das zurzeit vielleicht gebrauchen kann, die Leute im Boot, die paar Menschen, die vom Rückblick nichts mitbekamen, ihn aber vielleicht sehen wollen, und mal wieder, in erster Linie, für mich. Viel Spaß und danke fürs Lesen, auf ein besseres 2019.
Bis dahin allerdings:

Spill Milk.

 

Wer mir auf Twitter folgt, was die meisten, wenn nicht alle, die das hier lesen, wohl tun, wird wissen, dass 2018 wirklich kein gutes Jahr für mich war. Eigentlich war mein 2018 nur ein Debakel über Debakel, mit sehr wenigen Lichtblicken zwischendrin. Darum geht es jetzt aber gar nicht. Ausnahmsweise. Ich will nicht auflisten, was dieses Jahr alles passiert ist, dass mein 2018 so ein Totalausfall war, und das geht wohl auch niemanden außer mich selbst etwas an. Mit dieser Prämisse im Hinterkopf:

Nach einer sehr langen Phase des Rumhockens, Löcher in die Luft Starrens Nichtstuns – ein sehr lästiger Lebensabschnitt – erhielt ich etwa Mitte des Jahres eine Zusage zu meinem momentanen Studium. Das mag chronologisch jetzt etwas komisch scheinen, in der Mitte des Jahres anzufangen, aber jene Zusage ist gleichermaßen die Grundlage für die meisten guten Aspekte meines 2018. Alles Vorherige war entweder unschön oder im Nachhinein irrelevant. Nicht nur, dass ich mich wieder effektiv beschäftigen konnte, statt nutzloser Müll zu sein, kann ich gleichermaßen sagen, dass ich im Studium sehr aufgehe. Tue ich weiterhin und mittlerweile ist das erste Semester absolviert. Natürlich, teils nervt, stresst, strapaziert mein Studium, wie das nun mal so ist, aber ich studiere Dinge, für die ich mich wirklich interessiere; die schon von klein auf regelrechte Leidenschaften meinerseits sind und bei denen ich auch tatsächlich forschen will. Es ist eine Herzensangelegenheit. Das ist unfassbar erfüllend für mich, wenn es auch doch ein recht großer, aber logischer Schritt war, ein Hobby auf mehr als nur das anzuheben. Das ist nichts, was ich bereue.
Wie das oftmals so ist, verdanke ich meinem Studium aber auch viele neue Menschen und ein Bekannten- bis Freundeskreis, in dem ich mich wohl fühle und gemocht werde. Das ist ausgehend von meiner Vergangenheit leider keine Selbstverständlichkeit und etwas, das ich sehr schätze und wofür ich aufrichtig dankbar bin.
Dennoch gibt es aber eine Sache, die ich am Studium noch mehr schätze.
Es ist glaube ich relativ bekannt, dass ich selbst literarisch recht aktiv bin. Auf Twitter gibt es massenhaft Tweets zu dem Thema von mir, dieser Blog ist ein nicht lebender, aber virtueller Beweis dafür und wenn man einen Blick auf meine Umzugskartons wirft, spricht das wortwörtlich Bände. Es ist demnach wohl recht ersichtlich, dass ich selbst viel lese und schreibe, hatte ich diesbezüglich allerdings die erste Hälfte des Jahres eine ziemliche Durststrecke. Ich habe nichts Gutes gelesen, ehrlich gesagt auch nichts Gutes geschrieben und seit 2017 eigentlich meinen Bezug zur Kunst und speziell der Literatur verloren. Das sind Dinge, um die sich große Teile meines Lebens drehen, die mir wirklich, wirklich wichtig sind. Das Gefühl, sich davon zu entfremden, ist kein schönes. 
Zu sagen, man will Autor werden, die eigene Literatur aber für schlecht zu befinden – das ist ebenso unschön.
Unter anderem durch das Studium, aber viel auch aus eigener Kraft, was ich mir hier einräumen muss, denn, in aller Ehrlichkeit, bin ich da schlichtweg stolz drauf, habe ich neue Perspektiven bekommen, ein neues Verständnis von Rhetorik und allgemein mein Bild von guter und schlechter Literatur komplett überarbeitet. Ich schreibe wieder Dinge, die mich wirklich zufriedenstellen und wenn ich das aufrecht erhalten kann, wird das allein deshalb ein gutes Jahr. Bücher sind seitdem ich lesen kann meine große Liebe, wenn man das mal ein bisschen überspitzt formulieren will, und ich habe darauf bezogen wieder eine Richtung. Besser gehts kaum.

Man kann auch in der Uni lesen, übrigens. Danke für das Bild, Cilly. Dass ich das nochmal gebrauchen kann, hätte ich auch nicht gedacht.

Was gibt es noch? Loki.
Mein letztes Kaninchen, Sammy, ist dieses Jahr, beziehungsweise letztes, leider verstorben, der ein oder andere entsinnt sich eventuell. Ich will die Todesursache jetzt gar nicht weiter detaillieren, es ist wirklich unschön und, so schwer das auch sein mag, war ihr Tod letztendlich zum Besseren. Darauf aber folgte Loki und der Zwerg ist einfach eine Freude, wenn auch er seinem Namensvetter mehr als nur gerecht wird. Ich liebe ihn, Loki ist toll und wirklich ein lebender Beweis, dass aus Schlechtem auch Gutes folgen kann. Man kennt ihn eventuell, ich poste ab und an Bilder von ihm. Hier ein weiteres:

Ebenfalls ein gutes, wenn auch gleichermaßen unschönes Ereignis dieses Jahr, wäre wohl, dass ich aus einer sehr toxischen Beziehung raus bin, welche auch einer der großen Faktoren war, warum dieses Jahr so schlecht verlief. Trennungen sind immer schwer, und das war diese auch, aber es spricht sehr stark für sich, wenn es einem nach einer Trennung signifikant besser geht, als zu Zeiten der Beziehung selbst. Sich präsent machen, warum es einem innerhalb der Beziehung so schlecht ging, macht es einfacher nach vorne zu schauen.
Mittlerweile habe ich eine neue Freundin, seit Ende Dezember. Ich liebe sie sehr, wir sind sehr glücklich miteinander und sie erinnert mich regelmäßig daran, dass eine Beziehung eine wirklich schöne Sache sein kann und sollte. Ich denke, ich muss dazu gar nicht viel sagen. Jeder, der mir auf Twitter folgt, wird merken, wie vernarrt und glücklich ich bin.
Zu Weihnachten schenkte sie mir einen kleinen Tannenbaum samt Schmuck zum Dekorieren, da ich mich beschwert habe, nie einen in Hamburg zu haben – jetzt schon.

Ich habe ihn „Findus“ genannt. Er wächst prächtig und manchmal unterhalte ich mich mit ihm.

Ebenso sollte man hervorheben, und das verdanke ich all dem Leid dieses Jahres, dass dieses Jahr eine enorme menschliche Wandlung meinerseits folgte. Ich bin mittlerweile ein ganz anderer Mensch und auch, wenn ich weiterhin meine Fehler habe, wer nicht, lässt sich sagen, dass ich sehr zufrieden mit mir bin. . Ich war in der Vergangenheit teils ein ziemliches Arschloch und kein Mensch, der ich jemals wieder sein wollen würde.
Das Jahr hat mir viele Qualitäten beigebracht, oder vielleicht auch in mir hervorgebracht, die ich mittlerweile mit Stolz trage. Freundlichkeit, Empathie, Bescheidenheit (meistens), Geduld und bestimmt auch ein gewisses Maß an Weisheit – die Liste geht noch länger, aber das sollte das Wichtigste umfassen.
Ich weiß, Selbstlob stinkt, aber wenn ich auf mein alter Ego zurückblicke, dann stinke ich jetzt mal mit Vergnügen – er war schlimmer.
In vorherigen Jahren definierte meine Person sich durch aufgeplusterten Narzissmus und Überlegenheitsgefühl, aufgrund von Arroganz und „Intellektualität“. Nichts, was ich mittlerweile noch unterschreiben wollen würde. Nichts, wofür irgendwer stehen sollte.

Der Toni Ende 2017 und der Ende 2018 – man kann die beiden nicht vergleichen. Das sind Parodien auf den jeweils anderen. Zwei Seiten einer Medaille. 

Ich könnte wahrscheinlich noch mehr nennen, aber ich finde, so langsam kann ich dann auch mal zu einem Abschluss kommen, von daher, noch eine Sache:

Der letzte Dezember dieses Jahres verlief gut. Es ist ein schöner Abschluss auf elf unschöne Monate. Dafür muss man nicht ins Detail gehen, von meiner Freundin habe ich ja schon erzählt, aber es hat mich genug aufgebaut, als dass ich das Jahr, welches mir so regelrecht in den Arsch getreten hat, hinter mir lassen und als neuer Mensch mit Ambition und dem für mich richtigen Ziel vor Augen ins 2019 starten kann. Ich wünsche mir, dass das so bleibt und ich hoffe, dass das für alle, die das hier lesen, auch gilt.

Ein großes Danke an jeden, der sich jetzt durch diese rund 8000 Zeichen durchgeprügelt hat und auch diejenigen, die zumindest drüber nachgedacht haben. Das ist echt ziemlich cool und freut mich immens. Ich wünsch euch was. 

Und für alle, die sich in meiner Situation wiederfinden konnten und können, und auch alle anderen, ein kleines abschließendes Zitat von Neil Gaiman, das mich immer wieder auf Kurs bringt, wenn ich eine weitere Krise durchlaufe:


Go and make interesting mistakes, make amazing mistakes, make glorious and fantastic mistakes. Break rules. Leave the world more interesting for your being here […]
Life is sometimes hard. Things go wrong, in life and in love and in business and in friendship and in health and in all other ways that life can go wrong. And when things get tough, this is what you should do. Make good art.

Und Kunst kann alles sein.
Wird schon schiefgehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.