Ullis Ledertaschen

Noch eine Stunde bis Brigitte kommt, dachte sich Ulrike und zündete genüsslich ein Kippchen an.
Jeden Sonntag trafen die beiden sich zu ihrem Kaffeekränzchen und alles war pünktlich und perfekt vorbereitet. Wie immer. Der Fliesentisch im Wohnzimmer wurde mit einem weißen, mit Rosenmotiven versehenen Tischdeckchen dekoriert, welches in symmetrischer Genauigkeit ausgerichtet wurde; perfekter Winkel, perfekter Abstand, perfektes Deckchen. Mit eben dieser Präzision platzierte Ulrike anschließend das zum Deckchen passende Kaffeeservice, den Aschenbecher aus Kristallglas und diese viel zu trockenen, in einer Blechbüchse verpackten, dänischen Kekse, welche die beiden beim Schnack immer so lange in den Kaffee hielten, dass diese in jenem zusammenfielen, um sich anschließend mit dem Kaffeesatz zu einem feuchten, braunen Klumpen zu vereinen. Kuchen und Sahne gabs auch, war jedoch meist nebensächlich.
Ulrike, kurz Ulli, war eine „vom alten Eisen“, wie man ihr nachsagte.
Ein Schrapnell. Gefestigt in ihren Überzeugungen, weder bereit diese zu ändern, noch anderen Gehör zu schenken. Eine dieser Menschen, die zum Thema Immigration nicht mehr beitrug als „die müssen sich halt anpassen!“, es dann aber nicht schafften mit der Zeit zu gehen. Müssen sie angeblich ja auch nicht, sie waren immerhin zuerst da.
Ulli begann schon mal den Kaffee aufzusetzen. In 30 Minuten kommt Brigitte und bis dahin war die Temperatur des Kaffees so perfekt wie der Rest. Im Hintergrund lief irgendeine Serie mit Florian Silbereisen.
Der und die Helene ham sich doch letztens getrennt, dachte Ulli sich. Wasn Skandal! Sone Hübsche. Und jetzt hat se ihren Tänzer.
Sie genoss ihre Zeit allein. Ihr Mann Bernd war, wie sonntags üblich, jagen mit den Männers. Mal sehen, was er diesmal Feines mitbringt. Paar Hasen, mit Glück ein Reh? Weiß keiner außer Bernd und den Männers. Einmal gabs ein Lamm. Wo Bernd das nur her hatte?, fragte sie sich.
Vom Fleischer.
Ist Ulli bis heute nicht hinter gestiegen.
Ding Dong!, es klingelte. Kurzer Check im Spiegel:
Ihre rot gefärbten Locken saßen noch, der graue Pulli, auf dem glitzernd in geschwungener Schrift, bestickt mit Pailletten, „Love Life!“ stand, passte wie angegossen und der türkise Lidschatten, in Kombination mit rotem Lippenstift und bemerkenswert vielen Falten, sah richtig schön scheiße aus.
Perfekt.
Ulrike öffnete die Tür.
„Gittiiiiiiii!!!“
„Ulliiiiiiii!!!“
Die beiden umarmten sich und schüttelten sich dabei von links nach rechts, zwischen ihnen nur eine Fußmatte, auf der in schwarzen Lettern „Welcome“ stand.
„Mensch, Ulli! Dein Make-Up“, Brigitte sprach „Make-Up“ ausgesprochen eingedeutscht aus, „dat fetzt aber du!“
„Nicht wahr?“, erwiderte Ulli, gefolgt von einem selbstlobenden „Schick, schick!“
Gitti hängte ihren Mantel auf und entblößte ihre genauso türkise Bluse, passend zu Ullis Lidschatten. Die beiden setzten sich ins Wohnzimmer und Ulli schenkte Kaffee ein, verteilte jeweils zwei trockene Kekse und stellte den Fernseher stumm. Die Zigaretten lagen schon für den ersten, ausschweifenden Monolog bereit, bei Brigitte genauso, abhängig davon, wer denn als erstes loslegt.
„Mensch, Ulli!“, begann Brigitte, woraufhin ihr gegenüber ganz intuitiv eine Zigarette aus der Packung zückte. „Ich hab da was gehört, holla, dat glaubst du mir nie!“ Brigitte begann ihren Keks in den Kaffee zu tunken, um ihn fortführend dort zu vergessen. „Bei meinem Männerle, Georg, da ham se doch tatsächlich die Scheiben vom Laden eingescheppert!“
Georg arbeitete in einem vergleichsweise kleinem Rewe innerhalb der Sternschanze, nahe der roten Flora. Die Schanze, wie sie kurzum in Hamburg allgemein bekannt ist, war ein recht widerspenstiges Viertel, verdankte dem aber auch ihren Charakter, den so viele Hamburger liebten und schätzten. Sie schien irgendwie verbraucht, dreckig, abgenutzt, durch,  trug das aber mit Stolz und hatte offensichtlich vor, das auch beizubehalten. Die Zeiten und Menschen konnten sich ändern wie sie wollten:
Schanze blieb Schanze.
Links, asozial, betrunken. Dafür kannte und liebte man sie.
„Nicht wahr!“, erwiderte Ulli fassungslos. Gitti nickte ihr mit weit offenen Augen zu, als könne sie es weiterhin nicht glauben und schnappte sich nun ebenfalls eine Zigarette. „Ich sags dir, Ulli, dat waren bestimmt wieder diese Linksextremen. Wie beim G20.“ Ulrike nickte zustimmend. „Sagt Georg übrigens auch. Die mit ihrer „Konsumkritik“!, meint er. Aber wo holen die sich denn ihr Essen her? Mit Geld im Supermarkt! Selbst anbauen sicherlich nich!“ Gitti nahm einen tiefen Zug an ihrer Zigarette und paffte Rauch in die Raummitte. Die zwei wussten nicht, dass das Ganze herzlich wenig mit linker Gesellschaftskritik, sondern viel mehr mit einem Liter Vodka und einem Hauch von Zerstörungswut zu tun hatte. Betrunkene Randalierer waren in der Schanze keine Seltenheit.
„Dat is einfach die Jugend, Gitti. Die ham halt alles, sind verwöhnt. Du und ich, wir mussten ja noch richtig schuften und anpacken und waren froh, wenn wir wat hatten und haben geackert für dat wat wa wollten!“ Ulli griff hinters Sofa, um etwas hervorzuholen. „Hier!“, sagte sie, und hielt Brigitte eine Art Beutel hin. „Meine Ledertasche! Selbstgemacht. Nie auch nur eine einzige gekauft, seitdem ich ne junge Dame war, immer von Hand.“

 

Ullis Ledertaschen.
Ihre Mutter brachte ihr als Kind bei, wie man welche macht. Im Haushalt der Familie gab es stets zu viele Felle, da Ullis Vater, genauso wie Bernd, gerne jagen ging. Einer der Gründe, warum sie Bernd liebte.
Kein sonderlich guter.
Die Taschen waren nahezu kleine Kunstwerke für sich und zeugten von Ullis Verständnis gegenüber ihrem Handwerk. Da steckte mehr drin als nur die Lehrstunden ihrer Mutter; Ulli hatte Talent. Ausgezeichnet mit den extravagantesten Mustern und Motiven, vorhanden in allen Farben und Formen, handmade by Ulli.

Gitti wirkte ganz begeistert von der Tasche, die Ulrike ihr entgegenhielt. Sie selbst hat auch die ein oder andere von Ulli geschenkt bekommen, da die ganzen Taschen mit der Zeit einfach zu platzintensiv wurden, welche sie auch täglich trug, aber diese gefiel ihr besonders.
„Aber weißte, wat das Witzige is, Ulli?“, begann Brigitte schon wieder, nach kurzem Staunen. „Deine Taschen, zwischen den ganzen Veggie-Burgern“, erneut sehr eingedeutscht ausgesprochen, „und Falafel-Dingern und dem Sojakrams da, ich sachs dir, den würden se dennoch kaufen!“ Gitti drückte ihre Zigarette aus.  „Eins sach ich dir, Ulli: die nehmen mir nicht die Wurst vom Brot! Ich ess Fleisch wie ich das will.“ Ulrike beachtete den plötzlichen Themenwechsel gar nicht und schaute stattdessen kurz leicht verträumt in die Luft, als würde sie kurz grübeln und sagte anschließend: „Weißte was, Gitti? Da haste mich doch echt auf ne Idee gebracht!“

*          *          *

„Ich sags immer wieder, Gitti! Vitamin B!“ Das B stand hierbei für „Beziehungen“. Dank einiger Kontakte ihrerseits und einem Kredit bei der Bank, hat Ulli einen kleinen Laden in der Schanze, der seit längerer Zeit leer stand, recht billig erwerben können und begann dort die ersten Schritte für ihr kleines Etablissement. Der Laden war weit genug von der roten Flora entfernt, als dass sie sich sicher, nahe genug an der Bullerei, dem Restaurant von Tim Mälzer, als dass sie sich zivilisiert fühlte und direkt neben einer urig eingerichteten Kneipe, welche live Fußball übertrug, sodass sie wusste, Bernd würde sie ab und an besuchen. Perfekt. Die Einrichtung des Ladens erwies sich als schwierig, kostspielig, anstrengend. Die Wände waren verrottet und abgeblättert, der Boden zertrümmert, Strom lief zunächst gar nicht und dem ewig verschimmelten Käsekuchen nach – es könnte sich hierbei auch um jeden anderen Kuchen oder Käse halten, „Käsekuchen“ ist wild geraten -, welcher sich in der Ecke eines Hinterzimmers befand, wurde hier mal Essen verkauft. Bevor man jenen fand, gingen Ulli, Gitti, Bernd und Georg aufgrund des penetrant modrigen Gestankes eigentlich davon aus, dass irgendwann mal wer betrunken in den leerstehenden Laden eingebrochen ist, einer Alkoholvergiftung erlag und nie gefunden wurde, aber da hatten sie wohl Glück im Unglück.
Die Renovierung dauerte um und bei drei Wochen, wobei Bernd und Georg, welche zwar handwerklich überaus begabt waren, jedoch nun mal lediglich zu zweit, sich dieser Aufgabe ganz allein annahmen. Dass die beiden zusätzlich nur nachmittags Zeit freiräumen konnten, machte die Sache eben nicht einfacher. Ulli sagte einzig und allein was wie wohin soll – wie auch beim Kaffeekränzchen müsse schließlich alles perfekt sein – Gitti stand vorm Fenster, schaute abwertend Passanten an und murmelte in unregelmäßigen Abständen Dinge wie „noch so einer“ vor sich hin, wobei nicht klar war, ob sie sich auf Hipster, Punks, Obdachlose oder, was wohl meistens der Fall war, Türken bezog. Im Volksmund nennt man sowas wohl „moralischer Beistand“.
Innerhalb der drei Wochen machten sich allesamt, außer Georg, der hier aufgrund seiner Arbeit nahezu täglich war, mit der Schanze und ihrer Kultur vertraut und beschlossen einstimmig: ist scheiße. Zumindest in ihren Augen. Nur Bernd konnte dem Ganzen etwas abgewinnen, dank der Faszination Döner, die er in besagtem Zeitraum für sich entdeckte. Gitti, guck mal, son riesen Fleischspieß da hinten! Die ham da bestimmt ein ganzes Schwein dran!, ist nur eine von vielen Aussagen, für die Bernd in hohem Bogen aus dem Laden hätte fliegen können, aber Stammkunde ist wohl Stammkunde. Vielleicht war der Verkäufer auch schlichtweg toleranter als beispielsweise Gitti. Die anderen Kunden guckten Bernd zumindest an wie einen Pinguin in der Wüste. 

*          *          *

„Ich möchte euch allen nochmal danken!“, sprach Ulli, hob ihr Sektglas und stoß mit den anderen an. Die vier haben sich samstags, bevor der Laden nun eröffnet werden würde, noch einmal getroffen, um zur Feier des Tages zu trinken. Ulli kaufte zwei Flaschen Sekt, eine für sich, eine für Gitti, Bernd kaufte zwei Kasten Bier, selbe Logik. Alle schnackten gemütlich miteinander, lachten, tranken, hatten Spaß und malten sich aus, wie es jetzt mit dem Laden wohl weitergehen würde, wozu Ulli eine kleine Anekdote beitrug:
„Als ihr drei grad Essen geholt habt, da hab ich ja mal kurz auf den Laden aufgepasst, damit niemand ungefragt reingeht. An dem Tag, als wir schon mal die ersten paar Taschen reingeräumt haben, wisst ihr?“ Ein Licht ging auf, einstimmiges Nicken. „Na ja, auf jeden Fall, ich hab mir da so’n bisschen das Schild angeguckt, dass Bernd für mich gemacht hat“ – ein großes Holzschild über der Eingangstür, auf dem simpel „Ullis Ledertaschen stand“, welches Bernd zweimal anfertigen musste, da er zunächst „Uli“ schrieb – „und da kommt mir so ein junges Mädel entgegen. Grad mal 18 oder so in dem Alter. Und die fragt mich: Merken Sie sich schon mal das Eröffnungsdatum?“ Schallendes Gelächter. „Ich erklär ihr dann, dass das mein Laden is! Die hat Augen gemacht, ich sachs euch!“
„Ja, da kannste aber auch Stolz sein, Hase!“, sagte Bernd. Einstimmiges Nicken. „Nicht wahr? Aber da kommt noch mehr!“
„Oho!“, erwiderten alle drei im Einklang. „Dann fragt die mich doch, ob das denn Echtledertaschen seien. Sag ich ja, alles Echtleder.“
„Haste auch gesacht vom wem du dat hast, Hase?“ Gelächter, steigender Pegel.
„Na klar, Puschel. Die wirkte dann zumindest ein bisschen bedröppelt.“
„Ach, die hat da gar nix zu melden, Ulli!“, sagte Georg.
„Mensch, jetzt lasst mich doch mal ordentlich erzählen hier.“ Stille. „Sie sagte mir, wie schön meine Taschen seien, dass se die richtig, richtig toll findet, aber einfach nix aus Leder tragen würde, weil se vegan is.“ Gitti schnaufte, als sie das hörte und wiederholte murmelnd und abwertend „vegan“, bemüht Ulli nicht weiter ins Wort zu fallen. „Trotzdem, leben und leben lassen, meinte dat Mädel, was ich ja ganz toll fand, hätte se wirklich gerne so eine Tasche und ob ich denn vielleicht auch Taschen herstellen würde, die nicht aus Leder sind, da gibbet ja genug andere Materialen meint se. Hanf und all sowas.“ Gitti tippte sich mit dem Finger an die Stirn. „Die hat se doch nicht mehr alle, Ulli. Hanf! Die raucht ihre Tasche eher auf, dat sach ich dir. Heißt doch nicht umsonst Ullis Ledertaschen der Laden, Mensch.“ Ulli nippte zögernd an ihrem Glas, und sagte anschließend, nahezu verunsichert, aufgrund des von Brigitte erzeugten Gegenwindes: „Na ja, Gitti, wat spricht denn gegen?“ Gitti konnte sich kaum fassen. „Wat spricht denn gegen?!“, wiederholte sie lautstark. „Ich sach dir, wat denn gegenspricht! Das is dein Laden, Ulli! Die hat sich da gar nicht einzumischen!“
„Jetzt beruhig dich doch ma, Spatz.“
„Georg, du bist still, dat geht dich hier gar nix an!“ Georg war still.
„Mensch, Gitti“, fing Ulli wieder an, „die mischt sich ja auch gar nicht ein, die hat lieb gefragt, das darf se jawohl. Und, ich meine, da muss man auch mal ein bisschen weiterdenken. Wat wenn der Laden gut läuft, hm? Dann reicht nimmer, was der Bernd mir mitbringt und dann muss ich irgendwo anders mein Leder herbekommen und-„
„Ja Mensch, aber Ulli, durch dich sterben hier auch nich mehr Tiere, ich sachs dir! Und mehr leben tun durch dich auch nicht, du hast nur nen kleinen Laden, also wirklich.“ Brigitte lief so langsam rot an vor Wut.
„Aber Gitti, da weiß ich dann nich, wat mit den Tieren passiert is, wenn Bernd was mitbringt, hab ich da immer eine genaue Vorstellung von. Du, ich will doch nur net, dass wegen mir jetzt irgendwelche Tiere unnötig leiden. So bin ich auch nich großgeworden und nie gewesen. Bei uns gab es immer nur Gejagtes, nix aus der Massenproduktion, das mag ich gar nicht haben, das muss auch nicht sein.“ Brigitte starrte Ulli entgeistert an. „Also ja, weißte wat? Ich würd ihr gerne eine Tasche aus Hanf machen, sobald ich weiß wie. Dat war so ein liebes Mädchen und sie mag wat ich mache. Warum sollt ich das nicht tun, Gitti? Sach mir, warum, ein guter Grund.“ Gitti wusste gar nicht mehr, was sie sagen sollte. Ihr Gesicht mittlerweile rot wie ein Ziegel, zuckte in unregelmäßigen Abständen leicht, ihre Atmung wurde hysterisch schnappend und letztlich stand Gitti auf, schmiss ihr Glas um, warf sich ihre Jacke über und sagte abschließend, sichtlich aufgebracht: „Dat is unerhört, Ulli! Unmöglich is das! Das, ne, das bist nicht du, also wirklich! Sowas muss ich mir nicht bieten lassen.“ Sie schlug Georg gegen die Schulter, um zu signalisieren, dass jetzt Abfahrt angesagt ist und die beiden gingen.

Ihre Tasche ließ sie liegen.

*          *          *

Der erste Arbeitstag war angesagt. Montagmorgen. Ulli und Gitti haben noch nicht darüber gesprochen, was passiert ist, Ulli ging aber auch nicht davon aus, dass das noch passieren würde. Bernd hingegen plädierte darauf, dass Gitti einfach einen zu viel hatte und das wieder werden würde. Er kannte sie aber auch kaum bis gar nicht.

Ulli stieg aus der Bahn aus, mit der Einstellung „zu neuen Ufern“. Sie passierte den Obststand am Bahnhof, der Verkäufer begrüßte sie nett und bot eine Orange an, welche Ulli höflich ablehnte, warf einem Obdachlosen der Akkordeon spielte einen Euro in den Hut, lauschte der S-Bahn, welche auf der Brücke über ihr hinweg ratterte und schlenderte die Straße hinunter, welche zu dieser Stunde wie leer gefegt wirkte und für einen kurzen Moment, entdeckte sie eine ganz neue Facette der Schanze. Eine ruhige, wirklich schöne – und ihr wurde kurzzeitig klar, warum alle dieses für sie so runtergekommene Viertel so liebten. Die Luft war viel klarer als man vermuten sollte. Vor allem für eine Großstadt. Das hielt aber nicht lange.

Sie bog an der Kneipe nahe ihrem kleinen Laden ab und stellte sich schon vor, wie sie nach Feierabend ihren Männerle dort abholen könnte, vielleicht essen die beiden auch noch was, wer weiß.
Sie war da.
Eine Träne lief ihr die Wange entlang. Die Scheiben waren eingeschlagen und zerschmettert, die Taschen allesamt zerfleddert und zerrissen und die Einrichtung demoliert und umgeworfen. Das Schild, welches Bernd zweifach anfertigte, wurde abgerissen und in kleine Teile zerbrochen. Sie konnte es kaum fassen, wie sie dort stand und die Trümmer anstarrte, in denen ihre letzten Ersparnisse steckten. All die Arbeit für nichts und wieder nichts. Sie betrat ihren Laden, brach zusammen und weinte und schluchzte, weinte und schluchzte, mit einer der Wände im Hintergrund, auf der in rot stand:

Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.